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Bis zum Abwinken: Frischluft und Wellness

Ich bin platt, kann mich für eine stramme Bergtour mit Hüttenübernachtung nicht begeistern und sage daher meinen Freunden ab. Ich will in aller Ruhe wandern. Verwöhnen will ich mich lassen.

Ein perfektes Wochenende auf der Turracher Höhe.

FREITAG

Als ich an der Landesgrenze zwischen Steiermark und Kärnten am Südufer des Turracher Sees das Hotel Hochschober, mein Domizil auf 1763 Metern erblicke, bin ich sprachlos. Der zum Hotel gehörige vierstöckige Chinaturm, in dem Meditationsräume, ein Teehaus und Behandlungsräume für Massagen und Ayurveda untergebracht sind, ist noch viel imposanter als ich ihn von Bildern kenne. Dann sehe ich das einzigartige Seebad, ein beheiztes Schwimmbad, eingebettet in den erfrischend kalten Turracher See. Bei einer Hotelführung wird mir klar: Zweieinhalb Tage sind für dieses Hotel definitiv zu wenig. Von der gigantischen Wellnessabteilung einmal ganz abgesehen, hat es mir das Lesezimmer, das sich „Wortreich“ nennt, besonders angetan. Ein lichtdurchfluteter, edel eingerichteter Raum lädt zum Verweilen ein. Hunderte von Büchern stehen in Regalen. Auch finde ich auf Anhieb interessante Alpinlektüre. Morgen werde ich mich hier vergnügen. Den erquickenden Sprung ins Seebad schaffe ich gerade noch vor dem Abendessen. Obwohl ich müde bin, nehme ich noch einen Absacker an der gemütlichen Hotelbar.

SAMSTAG

Ich will heute lange wandern. Wetter traumhaft. Herbststimmung at it’s best. Ich befinde mich inmitten des Nationalparks Nockberge, einem wahren Paradies für Wanderer. Der 2208 Meter hohe Schoberriegel ist mein erstes Ziel. Um 8 Uhr starte ich am Hotel, wandere durch zauberhaft verfärbte Lärchenwälder beschaulich Richtung Schwarzsee, folge dann einer gemächlich Forstraße bis zur Bergstation des Sonnenliftes. Dort zweigt rechts der relativ zackig ansteigende markierte Pfad Richtung Gipfel ab, den ich schon nach einer knappen Stunde erreiche. Noch bin ich hier oben mutterseelenallein, genieße den Rundblick und stelle fest: Weniger ist mehr! Die knapp 500 Höhenmeter hier herauf waren nicht anstrengend.

Beim Anblick des Höhenweges, der sich vor mir durch das sanfte Geländer schlängelt, frage ich mich, wieso ich eigentlich nicht öfter einfach „nur“ zum Wandern gehe. Gehen, dabei abschalten oder nachdenken, träumen, Ideen haben, Pläne schmieden, Landschaft genießen, bewusst atmen, weil die Luft so gut ist – das alles kann ich hier, weil ich mich weder plagen noch konzentrieren muss. Gehen, einfach nur gehen. Bis zum Horizont! In großen Abständen sehe ich in der Ferne immer wieder Gipfelkreuze in der Sonne stehen. Los, Gipfel sammeln! Mindestens noch zwei! Die so genannte „Gruft“ auf 2232 Metern erreiche ich deutlich schneller als gedacht. Kleine Restschneefelder beweisen mir, dass es hier schon einmal geschneit hat.

Die Gras- und Mooslandschaft, durchsetzt mit kleinen Flechtenpolstern, breitet sich wie ein Teppich vor mir aus. So einladend, dass ich mich hinlege und ausgiebig die milde Herbstsonne genieße. Auf dem Weg Richtung „Brett Höhe“ begegnet mir ein Wanderer, der ebenfalls im Hotel Hochschober wohnt. Beim Plaudern stellen wir fest, dass wir beide aus München kommen und dort Nachbarn sind. Den Rest des herrlichen Wandertages verbringen wir gemeinsam. Ehe es auf die 2318 Meter hoch gelegene Kaserhöhe geht, müssen wir noch einmal in eine Scharte absteigen und die verlorenen Höhenmeter auf der anderen Seite wieder gutmachen. Der Abstieg erfolgt über den idyllisch gelegenen Kasersee, der schon zugefroren ist. Später kehren wir auf der Vastlalm ein, die übrigens zum Hotel gehört. Langsam aber sicher habe ich nicht nur Hunger, sondern auch Lust auf das erfrischende Seebad.

SONNTAG

Wellnessday! Das Frühstück ist bombastisch. Eines der besten Buffets, das ich je genießen durfte. Vitaminreich und sehr gesund. Eine vom Hotel angebotene zweistündige Chi Gong Wanderung unter der Führung von Frau Dr. Xiaochun Wang, welche die Abteilung für chinesische Medizin leitet, hat mich neugierig gemacht. Obwohl ich keinerlei Vorkenntnisse habe, mache ich mit. Wir wandern auf dem ausgeschilderten Drei-Seen-Weg und halten an besonders schönen, zum Teil richtig magischen Plätzen, um kurze Meditationen bzw. Achtsamkeitsübungen durchzuführen. Wir atmen tief und bewusst, bewegen uns ganz behutsam, folgen der angenehmen Stimme von Dr. Wang und entspannen. Nach den Übungen – ganz ehrlich – schwebe ich. Verblüffend, ich bin so entspannt, dass mich meine Beine kaum noch tragen.

Für 14 Uhr habe ich einen Termin im orientalischen Badehaus gebucht. In Holzpantoffeln und eingewickelt in ein Badehandtuch, das so genannte Pestemal, betrete ich den Eingang zum Hammam. Auf dem beheizten, nassen Bauchstein ruhe ich erst einmal, ehe mich der Telak, mein Hamman-Meister zur einer Waschung mit einem Rubbelhandschuh abholt. Danach versinke ich bei einer wohltuenden Massage in Seifenschaum und fühle mich dabei wie ein Baby. Wohlbefinden pur. Später, im Sultansgemach, trinke ich einen Tee und schlafe dabei im Sitzen ein.

Gegen 17 Uhr stehe ich tiefenentspannt und wieder halbwegs wach an der Rezeption. Eigentlich, um auszuchecken. Was dann passiert? Ein Anruf im Büro in München und ich verlängere um eine Nacht. Weil’s so schön ist. Diesen Zustand koste ich noch aus.

Tourentipp 1

Schoberriegel (2208 m), Gruft (2232 m), Kaserhöhe (2318 m) Lange Rundwanderung

Gehzeit Aufstieg: ab Turracher Höhe, Hotel Hochschober (1763 Meter) bis Schoberriegel (2208 Meter) 1 Stunde; 445 Hm; Weiter zur Gruft (2232 Meter): 25 Minuten, 24 Hm; weiter in die Scharte ab- und Richtung Kaserhöhe (2318 Meter) wieder aufsteigen; 1,5 Stunden 200 Hm;

Abstieg: Über Kasersee und Vastlhütte an den Turracher See. 555 Hm; 3 Stunden. Gesamt Gehzeit: 5-6 Stunden

Route Ausgangspunkt Hotel Hochschober, Richtung Schwarzsee zur Bergstation Sonnenlift, rechts zweigt der markierte Pfad Richtung Schoberriegel ab. Von dort dem markierten Wanderweg Richtung Gruft und Kaserhöhe folgen. Abstieg über Kasersee und Vastlhütte (Einkehrmöglichkeit) Richtung Turracher See. Gut ausgeschildert.

Tourentipp 2

Drei-Seen-Rundwanderung (Leichte Wanderung)
Gehzeit 2 Stunden ab Hotel

Ab Hotel Hochschober, vorbei am Museum Alpin+Art-Gallery Richtung Grünsee, wo die ersten Stationen zur alpinen Sinneserfahrung erlebt werden können. An der Karlhütte geht es vorbei zur Katscherhütte und weiter am Fuß des Schoberriegels Richtung Schwarzsee. Der Weg ist durch eine rote Markierung mit weißem „T“, teilweise mit Holzpfeilen mit der Aufschrift „Turracher 3-Seen-Weg“ markiert.

Info

Hotel Hochschober
A-9565 Turracher Höhe 5
http://www.hochschober.com/

Telefon 0043-4275-8213
holiday@hochschober.at

Anreise ab München: 287 km, 3 Stunden
A8 München Richtung Salzburg, A10 Tauernautobahn bis zur Abfahrt St. Michael. In Richtung Tamsweg zur Predlitz-Nordauffahrt. Von dort ca. 30 Minuten bis Turrach, Turracher Höhe.