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Fitness mit Frischluft

Gut sieht er aus. Vital und fit. Durchtrainiert vom Scheitel bis zur Sohle. Das Logo „Frischluft Outdoor Fitness World“ ziert die linke Brust seines T-Shirts, das den Waschbrettbauch bedeckt. Auch von seiner Sporthose blitzt einem das Emblem entgegen. Mit diesem überaus sportiven Mann soll ich jetzt ein Training absolvieren? Über Stunden? Zweifel. Wann war ich das letzte Mal im Fitness? Ist Ewigkeiten her. Studios mag ich nämlich nicht. Zwar treibe ich regelmäßig Sport, aber einseitig: Bergsteigen, Tennis, Skifahren, ein wenig Mountainbike. Arme, Schultern, Rücken habe ich jahrelang nicht mehr gezielt trainiert.

Sportwissenschaftler Florian Karasek, Begründer der „Frischluft Outdoor Fitness World“ und unser Trainer für die kommenden Tage beruhigt uns. „Jeder kommt mit, niemand wird überfordert. Das verspreche ich!“

Im Ullachtal marschieren wir vom Wanderparkplatz in Richtung Leoganger Steinberge. Das Birnhorn, die höchste Erhebung in dieser Gruppe, lacht uns mit seinen 2.634 Metern Höhe an. Aber wir sind nicht hier um den Gipfel zu besteigen, sondern um in Telemark-, also großen Ausfallschritten, eine Forstraße abwechselnd rauf- und runter zu gehen. Easy. Kann ich. Auch überkreuz. Wobei: Nach mehreren Wiederholungen bin ich dankbar als Florian die Übung stoppt. Wir wandern weiter, plaudern und erfreuen uns am atemberaubenden Panorama. Karasek, der früher Fußballprofi in der ersten österreichischen Bundesliga war, erinnert sich gut daran, wie monoton, leistungsorientiert und spaßbefreit sein Trainingsalltag war. „Aus dieser Abneigung heraus ist mein heutiges Trainingskonzept entstanden. Bewegung macht Spaß, wenn sie an ihrem ursprünglichen Ort, im Freien, stattfindet. Die Natur als größte Kraftkammer der Welt schenkt uns Energie“,

An einem besonders lauschigen Platz führen wir Gleichgewichtsübungen auf Steinen durch. Erst stehen wir dabei sekundenlang auf einem Bein. Etwas später sollen wir eben dieses auf Zehenspitzen meistern und dabei auch noch die Augen schließen. Kaum einer schafft die Übung auf Anhieb. Massive Defizite beim Gleichgewicht. Gibt’s das? Nach mehreren Wiederholungen allerdings halten wir Balance.

Langsam begreife ich das Frischluft-Konzept. Und finde Gefallen daran. Wir bewegen uns im größten Fitness-Studio der Welt: der Natur. Unbegrenzte Möglichkeiten. Täglich 24 Stunden offen. Unsere Geräte finden wir am Wegrand: Steine, Äste, Bäume, Holzstapel, Brückengeländer. Bei einer Übung arbeiten wir sogar der Strömung des Birnbaches mit unseren Beinen entgegen. Obwohl die Sonne scheint und wir rasch ins Schwitzen kommen, fühlen wir uns pudelwohl. Es riecht nach Wald und frisch gemähter Wiese, nicht nach Schweiß. Hintergrundmusik? Das Läuten von Kuhglocken und Vogelgezwitscher. Die Luft vom nahen Bach gekühlt, ist frisch und gut. Grenzenlos vorhanden. Wir atmen tief und lachen viel, vor allem bei den Partnerübungen, haben Zeit uns zu unterhalten, wenn wir zügig wandernd die Orte wechseln.

„Nicht flach hastig atmen, sondern bewusst“, sagt Trainer Karasek und holt mehrmals richtig tief und laut Luft. Dann erklärt der Sportwissenschaftler, dass ein Mensch durchschnittlich 15-mal pro Minute ein- und ausatmet. Mit jedem Atemzug strömt dabei etwa ein halber Liter Luft in die Lunge. Der im Gasgemisch der Erdatmosphäre enthaltene Sauerstoff ist für alle Landlebewesen existentiell. Der gesamte Energiehaushalt basiert auf ihm. Raum- und Frischluft unterscheiden sich in Qualität und Quantität. Frischluft ist zehnmal mehr mit elektrisch negativen Teilchen, den so genannten Ionen, durchsetzt und somit reichhaltiger und gesünder. Üppige Frischluftzufuhr bringt Herz und Kreislauf in Schwung, beruhigt die Nerven, fördert den Stoffwechsel, die Darmtätigkeit, strafft die Haut und verbessert die Gedächtnisleistung. Jeder aus der Gruppe atmet für den Rest des Tages laut und kräftig. Nur einmal, als Kinder auf Haflingern vorbei reiten, wird das Schnaufen vorübergehend etwas leiser.

Seit der Gründung von „frischluft“ 2010 hat Magister Florian Karasek gemeinsam mit seinem Trainerstab über 2600 Trainings abgehalten. Derzeit sind in Salzburg 16 und in München/Ebersberg fünf Frischlufttrainer für ihn tätig. Kurse finden, Sommer wie Winter, täglich an den beiden Stützpunkten statt. Bei jedem Wetter. Karaseks Idee kommt nicht nur bei sportiven Individualisten, sondern auch bei großen Firmen an.

„Es gibt mittlerweile 15 Unternehmen, deren Geschäftsführer auf unser Konzept schwören und ihrer Mannschaft Frischluft gönnen“ sagt der 36-jährige Österreicher, „wir gehen vor der Arbeit oder nach Dienstschluss einmal wöchentlich mit der Belegschaft aktiv in die Natur.“ Im Gründungsjahr wurde Karaseks nachhaltige Idee zur betrieblichen Gesundheitsförderung mit dem Gesundheitspreis des Landes Salzburg ausgezeichnet. Neu sind Kooperationen mit Hotels. Der Salzburger Hof in Leogang, der sich „Hotel der aktiven Genießer“ nennt, ist sein erster Partner aus der Touristikbranche. Auch melden sich immer mehr interessierte Trainer, die „frischluft“ als Idee in andere Regionen exportieren und sich als Franchisenehmer eigene Stützpunkte aufbauen wollen.

Dass wir trainieren, vergessen wir ganz schnell. Erst als nach zwei Stunden jeder Muskel zieht, werden wir daran erinnert. Nach einer wohltuend langen Mittagpause und einer Massage auf der Terrasse der Wellnesswelt im 5. Stock des Hotels sind wir wieder mit Florian verabredet. Am Nachmittag wandern wir Richtung Schwarzleotal. Wieder werden ständig kleine Trainingseinheiten eingebaut. Manche, wie die Liegestützen am Holzgeländer einer Brücke, erfordern Kraft, Stabilität und Power, andere schärfen Geist und Konzentration oder funktionieren gar nur im Team. Wir laufen mit geschlossenen Augen durch den Wald, weil wir unserem Partner vertrauen, lösen gemeinsam ein Problem, das eher Denksport ist und vergessen wieder, dass wir uns bereits über zwei Stunden aktiv bewegen. Außerdem haben wir – ganz nebenbei – in unserem Open Air-Fitnessstudio gut 400 Höhenmeter zurückgelegt. Dehnungsübungen sind willkommen, bevor wir die zauberhafte Abergalm erreichen.

Dort begrüßt uns Hotelier Anton Hörl nicht etwa mit einem Eiweißdrink, sondern mit einem Schnaps. Weil’s Spaß macht und schmeckt bereiten wir das Abendessen draußen zu. In einem Wok, der auf offenem Feuer steht. Stimmung ausgelassen. Alpines Urbehagens. Die Almhütte, die hier seit 1863 steht und zum Hotel gehört, ist ein Traum. Übrigens: Wer im Salzburger Hof nächtigt, darf nach Voranmeldung einmal hier oben übernachten. Zwei Doppelzimmer stehen dafür zur Verfügung. Dass wir heute auch noch die Sonnwendfeuer sehen, die in Leogang seit über 80 Jahren zur Begrüßung des Sommers abgebrannnt werden, ist ein Glücksfall. Obwohl das Wetter nicht sonderlich stabil ist, sind viele Einheimische auf die Gipfel der Leoganger Steinberge gestiegen um uns gegen 22 Uhr mit ihren Lichtern restlos zu begeistern.

Frischluft tanken im Salzburger Hof Leogang

Salzburger Hof
A-5771 Leogang
Telefon: 0043-6583-73100
office@salzburgerhof.eu

Durchlüften nach dem Winter: Ab Mai 2013 wird das innovative „frischluft“-Training jeden Dienstag und Donnerstag im Salzburger Hof Leogang angeboten. Für Gäste ist die Teilnahme am Programm ab der Sommersaison 2013 kostenlos und zum Beispiel im Rahmen des Angebots „Stress Less“ enthalten. Zwei Übernachtungen im Doppelzimmer inklusive Verwöhnpension und zwei Wellnessanwendungen im Panorama-Spa „Im Fünften“ gibt es bereits ab € 239 pro Person.

Weitere Informationen und Buchungen unter http://johannastoeckl.de/http://www.salzburgerhof.eu

Florian Karasek, Frischluft Outdoor Fitness World
http://www.frischluft-fitness.com/