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Ab Mitte Dezember verwandelt sich der Kärntner Weissensee, Österreichs höchst gelegener Badesee, zum europäischen Zentrum des Natureislaufs. Auf den spiegelglatten Bahnen gleiten die Genuss-Eisläufer dahin oder gehen Eisschnellläufer auf Rekordjagd.

Johanna Stöckl hat dem Weissensee einen Kurzbesuch abgestattet.

„Zu Kathrein friert der See zu lautet eine alte Bauernweisheit“, sagt Norbert Jank, den man hier voller Hochachtung den Eismeister nennt. Diese Weisheit hat sich auch dieses Jahr wieder einmal bestätigt. Seit dem 25. November (Kathrein) wächst an den Ufern bereits die Eisschicht heran, die den Weissensee ab Mitte Dezember zum Mekka des Natureislaufs in Europa macht. Auf dem Spielplatz der Natur geben sich Eisläufer, Eisschnellläufer, Hockeyspieler oder Eisstockschützen ein Stelldichein. Norbert Jank kennt den See besser als jeder andere in der Region. Seit über 30 Jahren kümmert er sich in den Wintermonaten ausschließlich um das Eis und zaubert mit einigen Helfern, darunter seine beiden Brüder, eine bestens präparierte Oberfläche.

Ab November beobachtet der 66-jährige Kärntner das langsam heranwachsende Eis, verfolgt das Wetter, die Temperaturen und stellt Messungen und Probebohrungen im Eis an. Die vier bis 8 Meter tiefe Westseite des Sees friert deutlich schneller zu als der Ostteil, mit seinen beinahe 100 Metern Tiefe. In richtig kalten Winter aber friert der gesamte See mit einer 0,5 Meter dicken Eisschicht zu. So ergibt sich im Idealfall eine befahrbare Natureisfläche von 25 bis 30 Hektar. „Das gibt es sonst nirgends auf der Welt“, sagt Jank stolz und zeigt dabei auf eines seiner Fahrzeuge, handelsübliche kleine PKW, die er extra für die Präparierung der Eisoberfläche hat umbauen lassen. Manche haben an der Front einen Pflug montiert, um die Eisbahnen bei Bedarf von Schnee zu befreien. Andere ziehen einen sechs Meter breiten rollenden Besen hinter sich her, um das Eis zu säubern. Ein Fahrzeug – Jank nennt es den „Eishobel“ – glättet die Oberfläche, falls sie recht ruppig ist. „An 70 bis 80 Tagen kann man bei uns am Weissensee Eislaufen“, fährt Jank fort und erklärt, dass das Eis einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Region geworden sei. Der Tourismus floriert rund um den 930 Meter hoch gelegenen See am Fuße der Gailtalter Alpen. Besonders beliebt sei die Region bei den eislaufverrückten Niederländern, die im Winter in Scharen hier her kommen, um eiszulaufen.

Marathon auf Eis
Auf dem idyllischen See, dessen Ostufer sich völlig unverbaut präsentiert, tragen die eislaufsportbegeisterten Niederländer seit Jahren nämlich ihre „Alternative 11-Städtetour“ aus. Vom 19. Jänner bis zum 02. Februar 2013 reisen rund 5.000 Niederländer bereits zum 25. Mal an den Weissensee, um über verschiedene Distanzen die Schnellsten auf Kufen zu ermitteln. Königsdisziplin ist der Marathon über 200 km. Der Weltrekord – aufgestellt am Weissensee – liegt bei beeindruckenden fünf Stunden und elf Minuten.

Und alles begann mit James Bond 007
Als 1987 für „Der Hauch des Todes“ mit Timothey Dalton eine Szene am Weissensee gedreht wurde, in der James Bond mit seinem Aston Martin in einer kühnen Verfolgungsjagd über den zugefrorenen Weissensee düste, gingen diese Bilder um die Welt. In Holland wurden die Veranstalter des größten Natureis-Langstreckenrennens der Welt, der legendären 11-Städte-Tour (Elfstedentocht)), plötzlich auf den Weissensee aufmerksam. Die Elfstedentocht, bei der man über zugefrorene Kanäle, Seen und Flüsse elf Städte in einem 200 Kilometer langen Eislaufrennen passieren muss, fand nämlich wegen eher ungünstiger klimatischer Bedingungen seit der Premiere im Jahre 1909 insgesamt erst 15 Mal, zuletzt 1997, statt. Die Organisatoren der „Tour der Touren“ waren somit auf der Suche nach einer Alternative. Der Kärntner Weissensee erhielt im Jahr 1988 den Zuschlag für die erste „Alternative 11-Städte-Tour“und konnte die Mitbewerber und Konkurrenten aus anderen Destinationen (Polen, Kanada, Finnland) ausschalten.

Hier kann jeder Eislaufen lernen

Wer ein Profi werden will, kann am Weissensee an den Gäste-Eisschnelllaufrennen teilnehmen, die während der ganzen Saison jeweils am Freitag durchgeführt werden. Da genügen schon 10, 20 oder 50 Kilometer, um eine Urkunde und eine Medaille zu ergattern. Eislaufen und Eisschnelllaufen lassen sich an der Eislaufakademie am Weissensee auch lernen bzw. trainieren. Bei Eislauf-Trainer Wolfgang Wernitznig kann man regelmäßig Kurse belegen. Zudem bietet der Verein Natureislaufschule Gruppenkurse (3 Stunden) ab 40 Euro pro Person.

Anreise

Mit dem Auto: Die schnellste Route führt über München, Salzburg und die Tauernautobahn.

Mit der Bahn: EC-Verbindungen über München, Salzburg, Spittal/Millstätter See nach Greifenburg. Weiter mit Bus oder Taxi zum Weißensee.
http://www.bahn.de/

Mit dem Flugzeug: Ab Frankfurt, ­Hannover, Hamburg und Köln direkt nach Klagenfurt. Weiter mit Zug oder Shuttle.
http://www.klagenfurt-airport.com/

Unterkunft
Bio-Vitalhotel Weissenseerhof ****s
Neusach 18
A - 9762 Weissensee
http://www.weissenseerhof.at/

Allgemeine Informationen:
http://www.www.weissensee.com/

http://www.natureislauf.at/