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Licht und Schatten

Profibergsteiger bewegen sich nicht nur im Fels und Eis auf schwierigem Terrain. Wer sich an der Spitze behaupten will, muss viel mehr sein als ein Leistungssportler. Eine Annäherung an das Jobprofil.

Während ein Kollege den Wagen nachts nach El Chalten steuert, sitzt Stefan Glowacz mit Stirnlampe auf dem Beifahrersitz und schreibt. In wenigen Wochen muss er das Manuskript zu seinem Buch „On the Rocks, Leben an den Fingerspitzen“ abgeben. 14 Tage später tobt ein höllischer Sturm über Patagonien. Teamkollegen halten die Zeltstangen von außen fest. Drinnen feilt Glowacz am letzten Kapitel. Halleluja!

„Alpinisten schaffen es heute kaum noch in die Massenmedien.“ Chris Bonington

„Outside is everything – impossible is nothing.“ adidas

Den Claim, mit dem Adidas, aufgehängt am Testemonial „Huberbuam“, im Jahr 2009 eine Outdoor-Offensive startete und unter dem Markennamen Terrex hochwertige Produkte für Profis und Freizeitkraxler auf den Markt brachte, hat mittlerweile auch jeder Hüttenwirt verinnerlicht. Wer für das Wochenende einen Schlafplatz auf einer Hütte bucht und zu spät eincheckt, schläft neben anderen Gestrandeten auf dem Boden irgendwo im Speiseraum. Klettern und Bergsteigen sind als Breitensport so populär wie nie. Outdoorausrüster vermelden jährlich ein Umsatzplus im zweistelligen Bereich. Der Berg boomt. Den Galionsfiguren des Bergsports aber fallen Ruhm und Ehre keineswegs in den Schoß. Während Chris Bonington und Edmund Hillary etwa für besondere alpinistische Leistungen zum Ritter geschlagen wurden, hat es der Spitzen-Alpinist von heute schwer, seine Erfolge einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Ein Berg irgendwo in Indien? Womöglich ohne Namen? Da bevorzugt die auflagenstarke Presse eher den jüngsten, ältesten oder gar den ersten blinden Menschen, der es auf den Everest geschafft hat.

„Es ist oft ein Spagat, alles unter einen Hut zu bringen.“
Ines Papert

„Ich muss lernen, nein zu sagen. Private Ziele kommen oft zu kurz.“
Stephan Siegrist

Das romantische Bild vom freien Abenteurer hat eine alltagsgraue Kehrseite.

In Gesprächen mit Berufsbergsteigern erfährt man schnell viel über Leidenschaft und Freiheit und ihr Streben nach Unabhängigkeit trotz – oder besser mit ¬– Sponsoren. Bass erstaunt ist man allerdings über die Brüchigkeit der privaten Partnerschaften und den hintergründig harten Konkurrenzkampf, der in diesem Sport, der ja frei von restriktiven Regeln und dicken Funktionären ist, paradoxer Weise vielleicht gerade deshalb besonders üppige Blüten treibt. Zugleich wird einem bewusst, in welchem Dilemma sich der Profi-Alpinist von heute befindet, zumal sein Job in Ermangelung an attraktiven Zielen von der Haustür extreme Mobilität erfordert, der Bergsteiger aber so gerne in sich selbst, und auch die Öffentlichkeit in ihm, einen aktiven Umweltschützer und keinen Frequent Flyer sehen möchte.

„Ich war der Robby Naish der Kletterszene.“
Stefan Glowacz

„Ich gebe mein Bestes und habe großen Spaß dabei.“
Roger Schäli

Selbstbewusst spricht Stefan Glowacz über seine ersten Profijahre. Ende der achtziger Jahre erlebte das Wettkampfklettern einen wahren Hype. Glowacz avancierte zum Frontmann dieser Bewegung. Gleich dreimal siegte er bei den Rock Masters in Arco. Damals hohe Siegprämien plus erste Sponsorenverträge sicherten ihm ein angenehmes Leben. Dies zu Zeiten in denen der heutige Jungstar der Kletterszene, David Lama aus Innsbruck, noch im Frotteestrampler im Maxi Cosi lag. Zwanzig Jahre später behauptet sich Glowacz als kletternder Abenteurer immer noch ganz vorne in der Bergsport-Szene.

Auch im Leben von Stephan Siegrist, dem 38-jährigen Schweizer Spitzenalpinisten, gab es einen Urknall, der ihn über Nacht zum Profi machte. Am 9.9.1999 nämlich, als die Sendung „Eiger live“ im deutschsprachigen Raum im Fernsehen übertragen wurde, rutschte er, ursprünglich nur als Trainer vorgesehen, in jenes Team, das zwei Tage lang vor laufender Kamera die Eiger Nordwand durchstieg. Bergsteigen live im Free TV? Ein Novum mit unerwartet großer Wirkung. Auch für Siegrist, der damals bereits bei Mammut unter Vertrag stand. Neben interessierten Ausrüsterfirmen, klopften nun auch weitere Finanzsponsoren an seine Tür. Aus dem Bergführer wird ein Profi. Einem Stammkunden dieser Tage aber beweist Siegrist bis heute Treue: „Wir kennen uns so viele Jahre. Er ist ein Freund geworden. Den gibt man nicht einfach an einen Kollegen ab.“

Mit im Team damals auch der Bergprofi Ralf Dujmovits, der seit dem vergangenen Jahr den Titel „Erster Deutscher auf allen 14 Achttausendern“ trägt. Der 49-jährige Bergsteiger ist seit 20 Jahren Leiter von AMICAL alpin, einem Unternehmen, das Trekking und alpine Expeditionen anbietet und seit 2007 glücklich mit der österreichischen Höhenbergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner, verheiratet.

Ähnlich wie ihre Kollegen hatte die 39-jährige Österreicherin vorerst nicht die Absicht, Profi zu werden. Ihre ersten acht Expeditionen, darunter bereits etliche Achttausender, ermöglichte sich Kaltenbrunner noch als bergsteigende Krankenschwester. Im Basislager des Manaslu verliebt sie sich 2002 in ihren späteren Ehemann Ralf und damit auch in einen Mann, der sich bereits gut auskannte in der Profiwelt. Seit 2003 ist Kaltenbrunner Profibergsteigerin. Lowa und Schöffel, damals bereits Partner ihres Gatten, gingen auch mit ihr erste Verträge ein. Sicherlich hat Kaltenbrunner Ralf einiges zu verdanken, aber einen außerehelichen Katalysator gab es auch. Am 2. Januar 2006 erschien unter dem Titel „Die Königinnen der Todeszone“ ein großer Bericht im Spiegel. Obwohl Kaltenbrunner der Titel nicht sonderlich gefiel, beschwört er doch eine Konkurrenz zu den Kolleginnen Pasabán und Meroi, profitiert sie in ungeahntem Maße vom Geschriebenen. Ein überwältigendes Medieninteresse weit über die Grenzen Österreichs und Deutschlands hinaus, bricht über die Alpinisten herein.

Roger Schäli ist quasi Halbtagsprofi. Seine Einnahmen über den einzigen Sponsor Salewa reichen noch nicht aus, um sein Leben und die Expeditionen zu finanzieren. So ist er circa 70 Tage im Jahr als Bergführer mit zahlenden Kunden unterwegs. Das macht ihm nicht nur Spaß, sondern gibt ihm die Sicherheit, in kein Loch zu fallen, falls Salewa die Pläne ändern sollte. Dennoch könnte er weitere Sponsoren vertragen. Die Erfolge sprechen eigentlich für ihn. Aber er ist bescheiden. Fluch und Segen zugleich in dieser Branche. Denn Klappern gehört auch zu diesem Handwerk. Und die Spitze klappert phasenweise richtig laut. Schäli versteht sich nicht gut darin, sich zu vermarkten. Sein Motto: „Wenn du wirklich Gutes machst, wird das auch in der Öffentlichkeit vernommen.“ Man mag es dem humorvollen Burschen wünschen, dass seine leisen Töne wahrgenommen werden.

„Wir sind ein fahrendes Volk. Ein Drittel des Jahres bin ich eine Art Entertainer.“
Alexander Huber

„Über meine Vorträge verdiene ich momentan Feriengeld. Mehr nicht.“
Roger Schäli

Die Huberbuam sind seit einigen Jahren gut gebucht. An die 70 Vorträge, Wirtschaftsvorträge inklusive, halten sie durchschnittlich pro Jahr, legen dabei zwischen 40.000 und 60.000 Kilometer zurück. Das entspricht dem Pensum, das ein erfolgreicher Handelsvertreter der Firma Vorwerk abspult. Vor ihrem Publikum sprechen sie auch in Englisch und mit etwas Vorbereitung klappt es sogar in Italienisch. In einer Zeit in der Comedian Mario Barth Millionen auf seiner Tour einspielt, dabei das Münchner Olympiastadion füllt, muss sich ein Bergsteiger nicht für das Geld rechtfertigen, das er auf seiner „Tour“ verdient. Auch ein Profibergsteiger lebt in der freien Marktwirtschaft und versteht die Regeln von Angebot und Nachfrage. Letztere ist bei den Huberbuam wie bei Gerlinde Kaltenbrunner riesig. Doch auch hier müssen sie mit ihren Kräften haushalten, sonst ist die Luft raus. Gerlinde z. B. hat den Anspruch, dass ihr letzter Vortrag im Jahr so gut sein soll wie der erste. Mehr als 60 Vorträge pro Jahr sagt sie daher nicht zu. „We love to entertain you“ gilt für alle. Auch für Ines Papert. Als allein erziehende Mutter kann die 36-jährige Bergsportlerin übers Jahr gesehen weniger Termine wahrnehmen. Aber auch für sie heißt es in Pausen zwischen Expeditionen: Vortragen und Geld verdienen. Das Geschäft ist lukrativ und bedeutet ein Stück Unabhängigkeit gegenüber der Laune von Sponsoren. Denkt man weiter und ans Alter macht Reinhold Messner Mut: Volle Säle lange nach der aktiven Zeit.

„Ein Buch zu schreiben, ist Knochenarbeit für mich. Ich brauche Zeitdruck.“
Stefan Glowacz

„Gerlinde und Ines waren sehr offen. Das macht die Qualität ihrer Bücher aus.“
Karin Steinbach, Co-Autorin

Stefan Glowacz hatte seinem ersten Buch, einem Bildband mit dem Titel „Rocks around the World“, den er gemeinsam mit dem Fotografen Uli Wiesmeier heraus gebracht hat, neben knackigen Auflagezahlen auch ein cooles Image zu verdanken. Wiesmeier, der begnadete Fotograf, und Glowacz, der kühne Kletterer, bildeten Ende der achtziger Jahre ein echtes Duo Infernale und tingelten auf der Suche nach abgefahrenen Kletterspots um die Welt. Glowacz, ungesichert an den Fingern einer Hand am Felsen baumelnd, hunderte Meter über dem Abgrund ¬– solche Bilder waren damals neu im Sport, gingen um die Welt und zogen enorme PR Wirkung für Glowacz nach sich.

Zusammen mit dem Fotografen Thomas Ulrich hat Stephan Siegrist 2002 mit dem landläufig herrschenden Vorurteil aufgeräumt, Hightech-Bergsteiger von heute seien nicht in der Lage mit dem Equipment von damals die Leistungen der großen Pioniere zu erbringen. Authentisch in nostalgischer Schwarz-Weiß-Fotografie dokumentiert der Bildband „Eiger Nordwand“ die Durchsteigung der Erstbegeherroute in historischer Ausrüstung: Steigeisen originalgetreu nachgebaut, Nagelschuhe, schwere Wollkleidung und Hanfseile.

Die Buchverlage bestätigen tolle Auflagen. Vor allem die Biografien von Bergsteigern verkaufen sich gut. Alexander Huber hat mit seiner Biografie „Der Berg in mir“ bei Piper/Malik zahlenmäßig die Nase vor seinen schreibenden Kollegen und Kolleginnen. Auch sein aktuelles Buch „Free Solo“, hochwertig bebildert, im BLV Verlag erschienen, verkauft sich prächtig. „The Wall“, 1999 von beiden Hubers bei BLV herausgebracht, war ebenfalls ein Kassenschlager, die erste Auflage bereits nach zwei Monaten ausverkauft.

Misst man Alexander Huber oder seinen Bruder jedoch an Messner, tun sich zwei Welten auf. Keiner reicht an Reinhold Messner heran. Alleine der BLV Verlag hat mehrere hunderttausend Bücher von ihm verkauft. Und das, obwohl der Verlag nur noch hochwertige Bildbände mit Messner herausgibt, während sich andere Verlage der vielen Taschenbücher angenommen haben und ebenfalls Auflagenrekorde melden. Viele seiner zahlreichen Kritiker nutzen diese Produktivität freilich als Aufhänger zu behaupten, er würde Inhalte nur mehr recyceln – und das ständig.

Auch die beiden Damen, Ines Papert und Gerlinde Kaltenbrunner, haben je eine Biografie mit starken Verkaufszahlen auf den Markt gebracht und der Eidgenosse Siegrist hat es mit seinem Buch „Balance zwischen Berg und Alltag“ sogar ins Englische geschafft.

„Ich will keine kletternde Litfass-Säule sein!“
Ines Papert

„Vertrauen musst du dir erarbeiten.“
Thomas Huber

Hinter jedem Profi stehen neben reinen Material- auch Finanzsponsoren, meist Firmen unmittelbar aus der Outdoor-Branche. Unternehmen, die sich mit einem Bergsportler und dessen Image identifizieren und das werbewirksam nach außen tragen. Adidas z. B. wirbt mit den Huberbuam, Glowacz ist unter anderem bei Red Bull und Marmot unter Vertrag. Gore-Tex, Arc’teryx und Lowa unterstützen u. a. Papert, Siegrist arbeitet z. B. mit Mammut, Schäli wirbt für Salewa. Kaltenbrunner stünde für Stabilität und Professionalität, den vorsichtigen Umgang mit Risiko. Sie sei nicht nur eine überaus sympathische Werbeträgerin, sondern auch eine starke Wertebotschafterin teilen unisono zwei Unternehmen mit: So wirbt Kaltenbrunner nicht nur für Sponsoren aus der Bergwelt, sondern auch für die VKB, eine österreichische Privatbank und für OMV, einen österreichischen Erdöl- und Erdgaskonzern.

Es ist allerdings nicht damit getan, dass man in der „Arbeitskleidung“ des Ausrüsters mit perfekt platziertem Logo seinen Job antritt und brav drauflos klettert. Bis zu zehn Präsenztage im Jahr hat ein Profi jedem Sponsor zu gewähren. Bei durchschnittlich sechs solcher Partner widmen die Berufsbergsteiger zwei bis drei Monate im Jahr unmittelbar ihren Sponsoren: für Shootings, Materialtests, Produktentwicklungen, Schneeschuh wandern mit dem Vorstand, Anwesenheit auf bedeutenden Messen oder um Vorträge vor versammelter Mannschaft zu halten.

Die Verträge mit den Partnern aus der Wirtschaft sind bei den Athleten, die sich seit geraumer Zeit an der Spitze halten, recht human gestaltet und gehen meist über mehrere Jahre, was auf gegenseitiges Vertrauen schließen lässt. Manche verhandeln zwar einen Bonus, falls ein Großprojekt gelingt, aber in der Regel sind diese Verträge nicht unmittelbar an Erfolg gekoppelt. Dies mag für die Sportler an der Spitze gelten, dürfte aber für junge Bergsteiger, die sich erst beweisen müssen, anders sein. Bleibt zu hoffen, dass kein junger Wilder zu weit geht, nur eines Vertrages wegen.

Kehrt ein großer Alpinist ohne Erfolg zurück, gehen die Sponsoren verständnisvoll damit um. Die Sportler an der Spitze verspüren von Sponsorenseite also wenig Druck. „Wenn du aber mal ein, zwei Jahre wenig bringst, hilft dir auch dein guter Name nichts. Dann wird es eng.“ sagt Glowacz. Man kann sich vorstellen, was dies für einen jungen Bergsteiger bedeutet, der es als Profi versuchen will. Das bestätigt auch Thomas Huber: „Im Extrem-Leistungssport gibt es nicht nur Sonnenschein. Oft sind es die Sportler selbst, die, um Medienpräsenz zu erlangen oder in der Hoffnung einen Vertrag zu bekommen, über ihre Grenzen gehen.“

Stephan Peplies, Vermarkter von 80 Sportlern, darunter Werbeikonen wie Biathletin Magdalena Neuner, meint auf die Frage, ob er sich eine Zusammenarbeit mit einem Alpinisten vorstellen könne: „Ungeachtet der Spitzenleistungen, die Bergsteiger heute erbringen, sind sie in der Breite nicht so bekannt, tauchen im Vergleich zu anderen Sportlern selten im Fernsehen auf. Nichtsdestotrotz haben Bergsportler einen starken Namen in der Szene. Produkte, die unmittelbar aus diesem Sektor kommen, werben sicher gerne mit Bergsteigern. Für mich als Vermarkter wäre es jedoch eher mühsame Arbeit. Im Alpinismus ist nicht so viel Geld im Spiel. Über die Vermarktung der Huberbuam allerdings, habe ich vor etlichen Jahren zumindest schon einmal nachgedacht.“

Womit er nicht falsch gelegen wäre. Denn neben den berühmten Klitschko-Brüdern nutzt Ferrero nun auch die Popularität der Huberbrüder für ihre aktuelle Milchschnitte-Kampagne.

„Es gibt kein Richtig oder Falsch. Man muss nur die Wahrheit sagen.“
Ines Papert

„Das ist zum Teil furchtbare Dreckswäsche. Es gibt viel Neid bei uns.“
Thomas Huber

Nun handelt es sich beim Bergsteigen um einen Sport, vom Wettkampfklettern abgesehen, der frei von Reglements und Funktionären ist. Klingt vorerst richtig gut. In keinem anderen Sport, vorausgesetzt natürlich, der Sponsor nickt das Unternehmen ab, definiert der Sportler selbst sein Ziel, kann er aufbrechen, wann, mit wem, wohin und wie er möchte. Diese Freiheit schürt jedoch Missgunst, Neid, starkes Konkurrenzverhalten und lädt manchmal sogar zum Schummeln ein. Das Fehlen strenger Regeln bedeutet, dass der Alpinismus so Glowacz „von einem indirekten Leistungsvergleich lebt, man sich gegenseitig mit Argusaugen auf die Finger schaut.“

Undenkbar in anderen Sportarten, aber beim Klettern Gang und Gäbe: Der kreative Erstbegeher einer Route stuft seine Leistung in einer Skala – und damit die Schwierigkeit einer Linie – vorerst selbst ein, macht praktisch einen Vorschlag. Der Wiederholungstäter, weniger erfinderisch, aber sportlich topp, kann dieses Urteil gegebenenfalls korrigieren. Erst nach der dritten Begehung ist die Schwierigkeit einer Route amtlich. Dass Meinungsverschiedenheiten hier Programm sind, ist fast schon logisch. Vor allem, weil es Kletterer gibt, so Thomas Huber, „die bloß bestehende Routen nachklettern und rummäkeln, selbst aber keine Erstbegehungen wagen.“

Gerlinde Kaltenbrunner, deren Ziel es ist, auf allen 14 Achttausendern zu stehen, hat Glück. Sie ist Höhenbergsteigerin. In diesem Fall übernehmen Chronisten die Kontrolle. Wie die 86-jährige legendäre Elizabeth Hawley. Sie führt in Kathmandu seit über einem halben Jahrhundert akribisch Buch über alle Himalaja- Expeditionen. Gibt es zu wenig handfeste Beweise, hegt Frau Hawley ernsthafte Zweifel, dann gilt der Gipfel eben nicht. Basta. Außerdem ist Gerlinde eine Frau. Da sich insgesamt weniger Damen den großen Profi-Kuchen teilen, ist auch die Konkurrenz an der weiblichen Spitze um einiges geringer.

Das Fehlen strenger Regeln bedeutet auch, dass der Alpinist tunlichst die Wahrheit sagen sollte. Und damit befinden wir uns so Siegrist „bei einem ganz heiklen Thema.“ Werden Leistungen etwa vorgetäuscht? Ganz so krass sei es nicht sondern viel subtiler. Niemand will so recht mit der Sprache raus, am Ende macht ein Konsens Hoffnung: Beim – pardon - Bescheißen erwischt, hat noch keiner einen anderen. Doch manchmal bleiben Zweifel.
Roger Schäli bringt es auf den Punkt: „Man muss präzise sein, wie man einen Erfolg nach außen trägt, also in den Medien lanciert. Vor allem dann, wenn man es mit Medien zu tun hat, die vom Klettern nicht allzu viel verstehen.“

Für die breite Öffentlichkeit hat z. B. ein Bohrhaken mehr oder weniger in einer langen Gebirgsroute keine Relevanz. Wohl aber für die Kletterszene, welche mindestens so penibel wie Frau Hawley darüber wacht, ob auch alles mit rechten Dingen zugeht.
Beschönigt man eine Aktion, lässt man einen Schwachpunkt unerwähnt, hat man zwar nicht gelogen aber auch nicht die ganze Wahrheit gesagt. Schwarze Schafe gibt es wie in jedem Sport. Doch sie halten sich nicht lange. Schon gar nicht an der Spitze.
Dieser Ehrenkodex gilt auch für die „Höhe“. Wer mit Zusatz-Sauerstoff auf dem Mount Everest steht und das offen sagt, hat seine Ruhe und kein abfälliges Urteil zu befürchten.
Abschließend erfährt man wohltuender Weise vom Eidgenossen Siegrist, dass jene, die ständig motzen, kritisieren und in Frage stellen, sich innerhalb der Szene ebenso rasch eliminieren, wie Bergsteiger, an denen pausenlos irgendwelche Zweifel haften.

„Auf Expedition bleibe ich via Laptop mit Medien und Sponsoren in Verbindung.“
Ines Papert

„Wenn ich weg bin, bin ich weg. Ich bin kein Blogger.“
Stefan Glowacz

Nicht nur in den Bergen, auch im world-wide-web sind sie daheim. Jeder Profi hat eine passable zweisprachige Homepage. Subjektiver Eindruck: der Internetauftritt von Ines Papert und jener von Stephan Siegrist stechen positiv hervor: Bestens gepflegt, topaktuell und äußerst informativ.

Persönliche Antworten gibt es auf praktisch jede Frage, sofern man etwas Geduld mitbringt. Manche bloggen und posten auch aus dem Basislager wie Kaltenbrunner, andere melden sich erst bei ihrer Community, wenn sie erfolgreich waren. So auch die Hubers, die sich unter der Marke „Huberbuam“– doppelt hallt schließlich besser ☺ – im Duett vermarkten und sich auch im Netz als Duo präsentieren. Circa dreimal im Jahr gibt’s etwas Neues, je nach Ausgang der Expedition. Und so passiert’s, dass sich unter der Rubrik „news“ über viele Monate die drollige Nachricht hielt: „Morgen Karlsteinfest. Mit Plastic Surgery Disaster gibt’s was für die Ohren. Bei jeder Witterung!“ Auf dieser Homepage menschelts: Hier wird auch gefeiert! Insider bezeichnen die Auftritte von Thomas Huber als Leadsänger dieser Hardrockband als legendär.

Einzigartig sind die Huberbuam im Netz auch mit ihrem Webshop, den Thomas’ Ehefrau verwaltet. Zwar in moderatem Rahmen, aber doch vorhanden: Merchandising. Man kann nicht nur signierte Bücher, DVDs, das gibt es auch bei anderen, sondern auch T-Shirts, Mützen und Kalender erwerben. Innerhalb von ein paar Tagen ist die bestellte Ware da. Als kleines Extra werden Abziehbilder, Autogrammkarten und ein cooler Huberbuam-Prospekt beigelegt.

Deutlich mehr als einen Webshop hat Stefan Glowacz aufzuweisen. Er ist Unternehmer. Seine Homepage ist mit „Red Chili“ verlinkt, seiner 1996 gegründeten Firma, die ihm zu 50 Prozent gehört. Gemeinsam mit Geschäftspartner, Uwe Hofstädter, produziert und vertreibt Glowacz, seit 2000 auch weltweit, unter dem gleichnamigen Label Kletterschuhe. In Deutschland hat Red Chili einen satten Marktanteil von 20 Prozent. Zukunftsängste kennt Glowacz keine: „Wenn alle Stricke reißen, kann ich full-time in meiner Firma arbeiten. Das zu wissen, bedeutet ein Stück Freiheit für mich als Profi.“

„Die Trennung geht mir nahe, aber die Berge fangen mich auf.“ Roger Schäli

„Es gibt ein Leben neben dem Bergsteigen. Ich genieße es mit meiner Frau und meinen Kindern.“
Stefan Glowacz

Als Roger Schäli am 23.12. 2009 aus Patagonien zurückkehrt, hat er wohl einen Erfolg am Aguja Poincenot in der Tasche, steht aber privat mit leeren Händen da. Trennung von seiner Freundin. Nach 10 Jahren. Unterschlupf findet der 31-jährige Schweizer Alpinist bei Schwester Barbara. Schäli ist viel unterwegs. Nur 80 Nächte war er 2009 daheim. Zu wenig für eine Beziehung?

„Merry Christmas from Khumbu“ postet Ines Papert 2008 auf ihrer Homepage. Sie feiert mit Teamkollegen bei Speck und Yak-Cream-Rum-Cheese-Cake. Eine Expedition zum Kwandge Shar bringt es mit sich, dass ihr Sohn Emanuel zu Hause in Bayrisch Gmain ohne seine Mama Weihnachten feiern muss. Das trübt die Freude auf das bevorstehende Abenteuer bei Ines ungemein.

Profibergsteiger gehen nicht nur mehrmals pro Jahr für mehrere Wochen auf Expedition, sondern setzen sich dort auch Gefahren aus, die eine Unfall-Versicherung, wenn überhaupt, dann nur unter Ausschluss von „Free Solo“ und Höhen über 7.000 Meter und gegen Bezahlung utopischer Monatsbeiträge, versichert. Wer sich einen Profibergsteiger angelt, sich auf eine Beziehung mit ihm einlässt, muss wissen: er wird oft in großer Sorge und regelmäßig viel alleine sein.

Im Durchschnitt ist ein Profi 150 Tage im Jahr nicht zu Hause. Ist er daheim, ist er trotzdem fort, denn er trainiert, möglichst täglich, um leistungsstark zu bleiben. Urlaub im klassischen Sinne avanciert zum Fremdwort. Außer Glowacz und Thomas Huber, die sich je ein paar Wochen pro Jahr ausschließlich für Ehefrau und Kinder Zeit nehmen, scheint Urlaub bloße Orts-, weniger eine Rhythmusveränderung zu sein: Geklettert und trainiert wird nämlich überall.

Tun zwei Bergsteiger sich zusammen, Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits sind der Beweis dafür, kann das gut gehen. Muss es aber nicht. Ines Papert und Stephan Siegrist waren zwar ein Paar, gehen mittlerweile aber getrennte Wege und sind in neuen Beziehungen mit toleranten Partnern angekommen.

Das Scheitern in den Bergen als eine Metapher für das Privatleben vieler Alpinisten? Es scheint so, denn erst nach einigen Anläufen kommen sie da an, wo sie hingehören. Auch Stefan Glowacz musste einen Umweg gehen. Seine 14-jährigen Drillinge sind Teil einer großen Patchworkfamily. Janine, Exfrau und Mutter der Drillinge, lebt wieder verheiratet in Grainau. Tanja Valérien-Glowacz, Tochter von Sportreporter-Ikone Hary Valérien, seit 2005 mit Glowacz verheiratet, wohnt in Wolfratshausen. Solange ihre Kinder dort noch zur Schule gehen, pendelt Glowacz, der in Garmisch lebt, zwischen diesen Haushalten.

Thomas Huber ist privat sehr glücklich. Seit über 12 Jahren gelingt es ihm an der Seite von Ehefrau Marion das Leben eines Profibergsteigers in ein harmonisches Familienleben mit drei Kindern zu integrieren. Dafür ist er dankbar. Bruder Alex träumt zwar noch von Familie, hat aber eine reizende, junge Freundin, die ihm diesbezüglich künftig helfen könnte.

„Es gibt Grenzen. Eine davon habe ich vielleicht schon übertreten.“
Stephan Siegrist

„Heilige Berge sind tabu.“
Stefan Glowacz

Bergsteiger lieben die Natur. Das bleibt auch so, wenn sie Profis geworden sind. Zumindest die Protagonisten dieses Beitrags sind sich einig: Man verhält sich darin wie es sich für einen anständigen Gast gehört: zurückhaltend, vorsichtig, ohne Spuren zu hinterlassen. So sind auch aus Respekt vor anderen Kulturen Expeditionen zu heiligen Bergen ein No-Go. Und auch Biosphärenschutz kommt ohne wenn und aber vor sportlichen Zielen. Brüten etwa Vögel in einer Wand, ist sie tabu bzw. muss man später kommen.

Obwohl sich der ethisch korrekt handelnde Bergsteiger äußerst behutsam den Bergen nähert, reibt sich ein Teil der Öffentlichkeit an diesem Thema und wirft ihm Egoismus oder gar Umwelt schädigendes Verhalten vor. Vor allem dann, wenn sich ein Alpinist wie z. B. Glowacz als Umweltschützer bezeichnet und gegen die Kommerzialisierung der Berge mobil macht, wird das kontrovers gesehen. In der lokalen Presse hätte man ihm kürzlich sogar vorgeworfen „nur aus Mediengeilheit gegen den „Skywalk“, einer Aussichtsplattform, die auf dem Osterfelderkopf in seiner Heimat Garmisch gebaut werden soll, protestiert zu haben.“ Kritik dieser Art allerdings perle an ihm ab wie Wasser an Gore-Tex, einer Membran, für die er wirbt: „Ich habe nicht unter Kontrolle, was die Medien über mich berichten und ärgere mich auch nicht darüber. Ich setze mich für Umweltschutz ein, auch wenn ich gelegentlich in einem Flieger sitze! Das ist für mich kein Widerspruch.“

Auch die Huberbuam, die 2008 gemeinsam mit Stephan Siegrist in der Antarktis kletterten, und sich der Frage stellen mussten, ob es richtig sei, als Bergsteiger in das letzte intakte große Ökosystem einzudringen, zeigen zumindest Gewissen. Thomas dazu: „Mit jeder Expedition bewegen wir uns an einer ökologischen Grenze. Aber wir hinterlassen, außer ein paar Haken in einer Wand, keine Spuren. In der Antarktis haben wir einem amerikanischen Forschungsteam eine Vielzahl von Bildern, Notizen und Gesteinsproben übergeben. Es war dies ein kleiner Beitrag zur Erforschung der Mikroorganismen in der eisigen Welt.“

Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits schmücken sich nicht mit Umweltschutz. Dennoch ist er den beiden wichtig. Sie haben für sich einen Weg gefunden indem sie Geld in ein „CO2 - Kompensationsprojekt“ investieren und zu Hause im Schwarzwald die Gewinnung alternativer Energien unterstützen und den Bau eines Staudammes an der Murg aus eigener Tasche mitfinanzieren.

„Die letzten Wochen vor der Expedition sind immer sehr chaotisch.“
Thomas Huber

„Zu Hause bin ich als Mutter zeitlich sehr limitiert. Auf Expedition genieße ich, dass ich mich auf meinen Sport konzentrieren kann.“
Ines Papert

Gerlinde Kaltenbrunner beschreibt in Ihrem Buch „Ganz bei mir“, und damit spricht sie den meisten Kollegen aus der Seele, dass sie leidenschaftlich gerne zu Expeditionen aufbricht, weil sie das reduzierte Leben mag, in Zelten besser schläft als im Bett zu Hause und total bei sich ist. Ein Berg, ein Ziel, ein Fokus. Keine Vorträge, Keine Termine, keine Presse. Klingt beinahe wie Urlaub! Dabei ist dies sportlicher Höhepunkt und Kern des Berufes: Die Zeit der Expedition, die Zeit des Abenteuers, des Grenzganges. Zwei- bis dreimal im Jahr brechen sie auf, um sich zu finden und zu beweisen. Sportliche Abenteuer dieser Art bucht man aber nicht eben mal am Last Minute Schalter. Je nach Ziel nimmt die Vorbereitung mehrere Monate in Anspruch.

Ines Papert besucht auf der diesjährigen Sportartikelmesse, der ISPO, in München, ihre Partner aus der Wirtschaft, um Gelder für die bevorstehende Expedition zum Mount Kysyl Asker zu akquirieren. In der Hand hat sie ein fein säuberlich ausgearbeitetes Exposé. Darin steht nicht nur, anschaulich bebildert, wo genau in Kirgisistan sie sich als Erstbegeherin einer äußerst anspruchsvollen Mixed-Route versuchen will.

Vielmehr legt sie auch einen klaren Mediaplan dar für die Berichterstattung während ihrer Unternehmung und danach. Wenn Expeditionen finanziell aufwändig sind, kann es schon vorkommen, dass ein Profi bei seinen Sponsoren anklopft, um Extragelder zu mobilisieren. Muss ein Kamerateam mit? Reicht ein Fotograf? Sollten Videoclips für den Sponsor geliefert werden? Könnte vielleicht eine Dokumentation entstehen, die im Fernsehen läuft? Mit dem Buchen eines Fluges, dem Packen zahlreicher Cargotonnen und dem Bestellen von dehydriertem Essen in Tüten ist es meistens nicht getan.

Im besten Fall kehren die Profis gesund und erfolgreich von einer Expedition zurück. Wirklich anspruchsvolle Ziele allerdings können sich zu Langzeitprojekten entwickeln, die einen Profi viel Geduld, Geld und mehrere Versuche kosten. Gerlinde Kaltenbrunner und der K2 sind so ein Thema. Auch die Huberbuam reisten z. B. mehrmals nach Kalifornien ins Yosemite Valley, um den Speedrekord an der Nose zu knacken. Glowacz campierte insgesamt dreimal am Fuße des Cerro Murallon in Patagonien, ehe er dort erfolgreich war. Umgekehrt sind sie alle schon. Doch keinem fällt es leicht, Projekte aufzugeben. Stephan Siegrist dazu: „Das Umkehren vor Ort ist vergleichsweise einfach. Du schätzt die Lage als zu gefährlich ein und triffst deine Entscheidung. Wirklich schwierig wird die Zeit danach. Du bist längst zu Hause und plagst dich immer noch mit diesem Thema.“

„Vom Film „Am Limit“ haben wir in vielerlei Hinsicht profitiert.“
Alexander Huber

„Bergfilmfestivals sind reines Schaulaufen.“
Stefan Glowacz

Der Presse sind beeindruckende Bilder von den Expeditionen oft mehr Wert als ein packender Text. Nicht zuletzt benötigen auch Sponsoren werbewirksame Fotos von ihren „Helden“. Daher gehen Profibergsteiger in der Regel nicht mehr ohne einen Fotografen auf Expedition, der im Idealfall auch eine Videokamera gut bedienen kann. Für die eigene Homepage, die Internetseite von Sponsoren oder um auf „YouTube“ oder „4-Seasons.TV“ einen Videoclip einzustellen sind bewegte Bilder mittlerweile unverzichtbar. So entstehen auf Expeditionen hier und da richtig lange Filme, die später – ohne einen Cent dafür zu bekommen – auf Bergfilmfestivals präsentiert werden oder auf der EOFT (European Outdoor Film Tour) zu sehen sind.

Große Kinoproduktion allerdings stemmen die wenigsten.
Wahrscheinlicher ist da ein Engagement als Nebendarsteller in den Kletterszenen, was den ausgewiesenen Eiger-Nordwand-Experten Roger Schäli und Stephan Siegrist dazu verhalf im Doku-Drama „Drama in der Eiger Nordwand“ oder im Spielfilm „Nordwand“ für gutes Geld als Double der tragischen Helden Toni Kurz und Anderl Hinterstoißer zu agieren.

Zwar keine Gage als Darsteller aber dafür die Rolle ihres Lebens erhielten Thomas und Alexander Huber in Pepe Danquarts Film „Am Limit“. Viel mehr als ein reiner Kletterstreifen war dieser spektakuläre Film 2007 auch außerhalb der deutschen Kinos sehr erfolgreich. So schwierig, aufwändig und aufreibend die Dreharbeiten sich für die Huberbuam auch gestalteten, das Ergebnis hat sich mehr als gelohnt. Laut Alexander „ist es Pepe Danquart gelungen, uns so darzustellen wie wir tatsächlich sind. Wir haben von diesem Film in vielerlei Hinsicht profitiert.“ Ohne Zweifel hat dieser Film die beiden Brüder außerhalb der Kletter-Szene populär gemacht. In der Folge haben sie 2008 den „Bayerischen Sportpreis“ erhalten, in der Kategorie „Botschafter des Bayerischen Sports“. Eine Ehre, die in der Regel nur medienpräsenten TV Sportlern wie Fußballern, Skirennläufern oder Biathleten zuteil wird.

Wissenschaftlich nicht ganz einwandfrei, jedoch von der Tendenz aussagekräftig, lässt sich Popularität relativ bequem via Internet erfassen. „Google Insights for Search“ macht’s möglich: 2007 wurden sowohl die Namen der Brüder als auch der Begriff „Huberbuam“ häufiger gegoogelt als je zuvor. Und plötzlich wurden alle drei Begriffe auch im hohen Norden Deutschlands und im benachbarten Österreich auf Google eifrig gesucht. Als Thomas Huber im Jahr 2001 der Oscar des Bergsports, der „Piolet d’Or“, für seine Erstbegehung der Nordroute am 6543 Meter hohen Shivileg im Himalaja verliehen wurde, konnte er von so einer Breitenwirkung nur träumen.

Ganz großes Kino am Parkplatz Loferer Alm. Sonntag, 27. Mai 2007: Ein herrlicher Tag. Aus dem Wagen neben mir steigt: Alexander Huber himself mit zwei Kletterfreunden. Eine Stunde später sitze ich mit meinen Bergspezln am Gipfel des Gföllhorns und beobachte wie Alexander, keine 200 Meter Luftlinie von uns entfernt in der Ostwand des benachbarten Grubhorns, in einer grimmigen, stark überhängenden Route klettert. Wir sind begeistert, bleiben lange am Gipfel sitzen. So einen Livestream kriegst du nicht alle Tage! Während wir Speck und Käse vernichten, ein mitgebrachtes Bierchen trinken, hören wir ihn von Zeit zu Zeit in der Wand fluchen. Ein magischer Moment für uns, ein hartes Stück Arbeit für ihn. Als wir gegen 16 Uhr absteigen und bereits an Topfenstrudel und Dusche denken, kämpft Alexander immer noch in der Wand. Ein paar Tage später lese ich, dass er erfolgreich war. Rotpunktbegehung „Desperate Reality“.

Spitzenbergsteiger wie Alexander Huber leben unsere Träume. Über Bilder, Filme, Vorträge und Bücher sind wir angeschlossen, können wir uns inspirieren lassen.

Aber ob wir wirklich tauschen möchten...?