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Der Vettel auf dem Brettel

Groß geworden ist er am Strand. 1980 wanderten seine Eltern Linda und Rolf von Hamburg nach Gran Canaria aus um dort eine Surfschule zu betreiben. Heute steht er sieben Stunden täglich auf seinem Surfbrett und findet das, so sagt er, ziemlich cool. Schon vor dem Abschlussevent auf Sylt stand Philip Köster als neuer Weltmeister im Windsurfen fest. Ein Glück, denn beim Surfweltcupfinale in Westerland herrschte eine Woche lang Flaute. Wir trafen den 17-jährigen Deutschen einen Tag vor der großen Siegerehrung zu einem Interview am Strand.

Philip, kannst du dich du in drei Worten beschreiben?

Gar nicht so einfach. Ich würde sagen, am Strand bin ich eher ein ruhiger und zurückhaltender Typ, aber im Wasser, da bin ich anders.

Das heißt?

Wild, entschlossen, eher der Draufgänger.

Wie fühlt es sich an, als Weltmeister vorgestellt zu werden?

(Lacht) Es fühlt sich auf alle Fälle nicht schlecht an. Ich kann es noch gar nicht glauben, aber freue mich sehr, dass die Tour so gut gelaufen ist und es mit dem Titel geklappt hat.

Wie viele Interviews hast du seither gegeben?

Grob geschätzt zwischen 50 und 60. Und es kommen ständig weitere Anfragen. Morgen z.B. kommt der stern nach Sylt. Mit Fotoshooting, Interview und allem Drum und Dran.

Freust du dich über so viel Aufmerksamkeit?

Klar, ist das toll. Da ich in Spanien lebe, kenne ich die wenigsten deutschen Magazine. (Lacht) Aber ich habe mir sagen lassen, dass der stern schon etwas Besonderes ist.

Eine Woche lang kein Wind auf Sylt. Was macht ein Surfweltmeister bei Flaute?

Ich musste trotzdem anwesend sein. Stündlich gab es irgendwelche Meetings, Fahrertreffen, Besprechungen, Interviewtermine, Autogrammstunden. Und sonst? War ich mit Kollegen am Strand beim Chillen oder beim Stand Up Paddeling. Das Wetter war ja großartig. Es fehlte nur der Wind.

Obwohl du in Spanien aufgewachsen bist, sprichst du akzentfrei Deutsch. Wie kommt es?

Weil wir zu Hause ausschließlich Deutsch sprechen und ich eine deutsche Schule besuchte. Außerdem bin ich regelmäßig in Deutschland, auf Messen und Festivals. Ich habe hier an die 15 Termine im Jahr.

Hast du einen Trainings- und Ernährungsplan?

(Lacht) Weder noch. Mein Training besteht ausschließlich aus Surfen. Ich bin jeden Tag sieben Stunden auf dem Wasser, nie im Fitness-Studio. Ich sollte mich vielleicht bewusster ernähren, aber ich esse, was mir schmeckt. (Lacht) Bisher hat das aber auch so ganz gut geklappt.

Sieben Stunden Surfen pro Tag? Klingt verdammt viel.

Ich mache das freiwillig, weil es mir Spaß macht. Ich wohne keine 50 Meter vom Spot entfernt, stehe auf und gehe zum Surfen. Abends bin ich dann total platt. Außer ein bisschen Fernsehen oder ein paar Kumpels treffen, geht da nicht mehr viel.

Wie entstehen eigentlich neue Tricks und Moves?

Erstmal passieren die Tricks im Training mehr oder weniger aus Versehen. Und dann verfeinert man die neuen, eher zufällig entstandenen Bewegungsabläufe nach und nach.

Du bist bekannt für deine hohen Sprünge. Wie gefährlich sind diese?

Windsurfen kann wie jeder andere Sport auch gefährlich sein. Wenn man aus einigen Metern Höhe auf sein Material knallt, kann man sich alle Knochen brechen.

Warst du schon einmal schwer verletzt?

Nein, Gott sei Dank nicht. Ich habe mir nur einmal das Handgelenk gebrochen.

Man munkelt du wärst kurz davor einen Triple Loop zu stehen.

Dieser Triple Loop ist tatsächlich ein großes Ziel von mir. Zweieinhalb, zweidreiviertel Loops schaffe ich bereits, lande allerdings noch unsanft mit dem Rücken auf dem Wasser. Es fehlt nicht mehr viel, ich übe weiter.

Braucht man dafür eine besonders hohe Welle?

Ja, es braucht dafür eine große Welle, aber nicht zu starken, schon gar nicht böigen Wind. Sonst wird die Rotation zu schnell, die Bewegung unkontrolliert. Ein sehr guter Freund hat den Triple Loop im April auf Maui versucht. Er ist voll aufs Material geknallt, war bewusstlos unter Wasser und wäre dabei fast umgekommen. Da muss man schon ideale Bedingungen abwarten.

Führerschein – schon in der Tasche?

Nein, denn in Spanien, kann man den Führerschein, anders als in Deutschland, erst mit 18 machen. Aber wenn es soweit ist, werde ich natürlich gleich in die Fahrschule gehen.

Und auch gleich ein Auto kaufen?

(Lacht) Ich habe seit meinem zwölften Lebensjahr ein Auto. Bisher hat allerdings mein Vater mich damit herum gefahren. Mercedes ist nämlich einer meiner Sponsoren. Bald übernehme ich das Steuer!

Hast du viele weibliche Fans?

(Grinst) Ja, ich denke schon.

Schreiben sie dir Liebesbriefe oder entsprechende Nachrichten via facebook?

Ja, das tun sie.

Hast du mehr Fans in Deutschland oder in Spanien?

Eindeutig in Deutschland. In Spanien kennen mich die wenigsten. Da habe ich meine Ruhe. In Deutschland ist das mittlerweile anders.

Kleines Spiel: Du bekommst eine Woche Urlaub geschenkt. Zur Auswahl stehen: eine Reise in die marokkanische Wüste, ein Bergurlaub und eine Städtereise nach New York. Deine Wahl?

Eindeutig. Ich würde den Bergurlaub nehmen. Ich war nämlich noch nie in den Bergen! Ich bin das ganze Jahr über an den schönsten Stränden der Welt, aber dann und wann sehne ich mich durchaus weg vom Strand.

Wasser ist dein Element. Wie sieht es mit gefrorenem Wasser, also Schnee, aus?

Letztes Jahr in Hamburg habe ich erstmals Schnee gesehen. Nur ein paar Zentimeter, aber es reichte für einen Schneeball. Ich habe mir fest vorgenommen, diesen Winter einmal in die Berge zu fahren. Ich will nämlich unbedingt Snowboarden lernen.

Fußball WM Finale. Deutschland gegen Spanien. Für wen schlägt dein Herz?

So ein Finale ist immer entsetzlich für mich, denn ich mag beide Nationalmannschaften gerne. Jede andere Paarung ist mir lieber. (Lacht) Wobei: ich kann mich in jedem Fall freuen. Für den Sieger.

Gibt es in deinem Leben noch Zeit für andere Sportarten?

Ich bin natürlich fast ausschließlich beim Surfen, gehe aber auch regelmäßig zum Wellenreiten und Mountainbiken.

Verfolgst du andere Sportarten?

Ja klar, Snowboard, Skateboard und Mountainbike Downhill. Und natürlich verfolge ich Großveranstaltungen wie Fußball Welt- oder Europameisterschaften auch intensiv.

Seit wann bist du Profi?

Seit ich 14 bin, also seit drei Jahren. Meine ersten Sponsorenverträge hatte ich allerdings schon mit 12.

Wie viele Sponsoren hast du heute?

Neun.

Hast du einen Schulabschluss?

Ich war ursprünglich auf dem Gymnasium. Auf Dauer war es mir unmöglich die vielen Fehlzeiten von drei bis vier Monaten im Jahr nachzuholen. Vor einem Jahr machte ich dann den Realschulabschluss.

Bist du gerne auf Reisen?

Ja es macht mir viel Spaß. Allerdings freue ich mich jetzt auch sehr auf zu Hause. Ich war viele Wochen nicht mehr auf Gran Canaria.

Begleitet dich jemand auf deinen Reisen?

Ja, mein Vater.

Ist der Papa stolz auf seinen Sohn?

Er sagt das nicht so direkt, aber ich denke schon.

Die Bunte bezeichnete dich als „den Vettel auf dem Brettl“. Kennst du Sebastian Vettel?

Sebastian Vettel kenne ich leider nicht persönlich. Aber einige andere Red Bull Athleten konnte ich schon kennen lernen. Einmal im Jahr gibt es ein großes Sportlermeeting in Salzburg. Das ist immer ziemlich cool.

Warst du eigentlich schon einmal auf dem Münchner Oktoberfest?

Leider nein. Aber ich werde mir das irgendwann sicher anschauen. Das muss man doch gesehen haben, oder?