prt-200x267-1374511305-55b1b8659cd585f85a170f2264c8399c

IMS - Berge von Geschichten

Von 20. bis 27. Oktober 2012 fand in Brixen der International Mountain Summit statt. Profibergsteiger, Kletterstars und Newcomer präsentierten sich in Vorträgen, Diskussionsrunden und gingen darüber hinaus mit Fans zum Wandern oder Klettern. In seiner vierten Auflage hat sich der IMS etabliert. Als eine hochkarätig besetzte Veranstaltung zum Thema Berg. Johanna Stöckl hat für AllMountain Meinungen zum Festival eingeholt.

Manuel Ferrigato (33), Fotograf

Seit vier Jahren portraitiere ich die geladenen Bergsteiger beim IMS. Anfangs waren nicht alle Protagonisten davon begeistert, fotografiert zu werden. Inzwischen, was mich ehrt, freuen sich alle auf das Shooting. Mittlerweile ist eine stattliche Fotoserie von Kletterern und Bergsteigern entstanden, die als Wanderausstellung „The Mountaineers" auch auf anderen Events zu sehen ist. Im Eingangsbereich des Forum Brixen hing außerdem ein Bigprint von der Nordseite der Geislerspitzen, die ich von einem Flugzeug aus fotografiert hatte. Reinhold Messner blieb in meiner Gegenwart davor stehen und zeigte sich begeistert. Ein Lob von Messner? Geht nach wie vor runter wie Öl. Mein persönliches Highlight 2012 war der Vortrag der Favresse Brüder. Das war keine klassische Leistungsshow sondern Rock and Roll. Viel Witz und Musik auf der Bühne, lustige Geschichten und Spaß am Berg. Kein Drama, nichts Heroisches, purer Fun.

Bia Grabner (36) Grafikerin Climax Magazine

Als Stammgast war ich zum dritten Mal dabei. Neben dem tollen Programm steht für mich beim IMS mich vor allem das Gesellige im Vordergrund. Bei den Wanderungen und bei den gemütlichen Nach-Vortrags-Zusammensitzrunden, genannt Abklettern, lernt man interessante Menschen kennen, mit denen man sich großartig austauschen kann. Es sind die mittlerweile entstandene IMS-Freundschaften, die das Festival so speziell machen.

Andreas Marmsoler (40), European PR GORE-TEX®

Als Sponsor engagiert sich die Marke GORE-TEX® bereits seit vier Jahren beim IMS. Mir gefällt einerseits Spitzenkletterer und Bergsteiger bei den Walks persönlich kennenzulernen und andererseits über die weiteren Themenangebote die Vielfalt der Berge zu reflektieren. Die Tagung "Grenzgänge" hat mir besonders gefallen, weil hier über ein Thema gesprochen wurde, das weit über Alpinismus hinausgeht. Die bunte Mischung an Referenten – Reinhold Messner, Edurne Pasaban, Marc Girardelli und Sascha Lobo – war inspirierend.

Markus Gaiser (45), Veranstalter des IMS

Das war wohl die letzte Reifeprüfung, die der International Mountain Summit überstehen musste. Das Bergfestival lebt und überlebt! Die Erkenntnis stimmt: das Thema Berg ist vielfältig. Ich bedanke mich bei Thomas Huber, der mir 2011 über gedankliche Umwege auf der Wanderung zum Latzfonser Kreuz die zündende Idee zur Entwicklung der Tagung „Grenzgänge zwischen Erfolg und Misserfolg - Alpinismus trifft Wirtschaft“ geliefert hat. Diese Tagung war ein Grenzgang. Für den IMS ein neuer Weg ein breiteres Publikum zu erreichen.

Simon Gietl (28), Profikletterer

Der IMS ist mittlerweile ein fixer Termin in meinem Kalender. Ich treffe jeden Herbst in Brixen zahlreiche Bergsteigerkollegen und kann mich vor Ort mit ihnen austauschen. Grandios ist das. Ich war bisher bei jedem IMS dabei. Und 2011 stand ich gemeinsam mit meinem Seilpartner Roger Schäli sogar selbst auf der großen Bühne.

Marc Girardelli (49), ehemaliger Skirennläufer

Ich war zum Thema „Scheitern“ geladen. Mein Vortrag war aus dem Leben gegriffen. Schon im Sport hatte ich große Niederlagen kassiert mit grausigen Verletzungen etc. Dennoch konnte mich 20 Jahre lang kaum etwas bremsen, konnte ich mich gegen Konkurrenten wie Stenmark, Zurbriggen, Tomba und Aamodt durchsetzen. Nach der Skifahrerei hatte ich gleich Grosses vor: die Skihalle in Bottrop. Mit einer einzigen Unterschrift schlitterte ich in eine Katastrophe, die mich beinahe geknickt hätte. Rausgekommen bin ich zwar mit einer weißen Weste, doch habe ich viele Federn in Bottrop gelassen. Über mein Scheitern in einer bunten Runde sprechen zu dürfen, mich mit Reinhold Messner oder Sascha Lobo austauschen zu können, war eine Bereicherung für mich.

Chiara Agreiter (25), Presseteam IMS

Als Mitarbeiterin des Presseteams hat mich die Zahl der akkreditieren Journalisten beeindruckt: 155 Journalisten waren 2012 in Brixen. So viele wie noch nie. Von den tollen Vorträgen und Wanderungen einmal ganz abgesehen, fand ich die Preisverleihung des National Geographic Photo Contest 2012 by IMS and KIKU toll. Es war bewegend wie sich die Gewinner über ihren Sieg gefreut haben. Außerdem fand ich bemerkenswert, dass alle drei Finalisten, auch jene aus Brasilien, vor Ort waren.

Manfred Redelfs (51), Greenpeace

Was mich beim IMS begeistert, ist seine einzigartige Mischung: Nirgendwo sonst gibt es solch' zwanglose Gelegenheiten, beim Wandern mit Top-Bergsteigern ins Gespräch zu kommen. Das geht bei den Touren natürlich viel unverkrampfter als bei einer Fragerunde im Saal nach einem Vortrag. Ich mache außerdem die Erfahrung, dass ich bei den Touren mit vielen der anderen Teilnehmer gute Gespräche habe und nette Leute kennenlerne, denn das gemeinsame Interesse an den Bergen verbindet.

Ein großes Plus des IMS ist die Landschaft Südtirols: Wer die Natur liebt, will natürlich nicht die ganze Zeit in einer Halle hocken und Vorträge hören. Da bietet der IMS eine prima Balance zwischen Bewegung am Tag sowie Vorträgen am Abend. Außerdem gefällt mir, dass der IMS den Blick nicht allein auf die Berge richtet, sondern eine umfassende Perspektive einnimmt. So ging es in diesem Jahr um den Umgang mit dem "Scheitern", was bekanntlich nicht nur am Berg ein wichtiges Thema ist. Auch der Umwelt- und Klimaschutz oder das Problem der Abwanderung ist Teil des Programms. Das gefällt mir, denn mein Interesse an den Bergen beschränkt sich nicht auf ein "höher, schneller, weiter“.

Ines Papert (38), Profibergsteigerin

Ich war bisher dreimal beim IMS und komme immer wieder gerne. Offiziell bin ich dort, um bei den sogenannten Arc’teryx Climbing Days mit Gästen zu klettern. Abseits dieser Termine freue ich mich jedes Jahr darauf internationale Kletterkollegen wiederzusehen. Außerdem, das gebe ich unumwunden zu, kann man als Profi beim IMS wichtige Pressekontakte pflegen. 2012 war eines der Highlights sicher das Wetter. Das Klettern am Burgkofel war bei strahlendem Sonnenschein das reinste Vergnügen.

Gerlinde Kaltenbrunner (42), Profibergsteigerin

Ralf und ich sind vom IMS begeistert. Eine vielfältige Veranstaltung, bestens organisiert. Dass man beim IMS auch internationalen Bergsteigern und Kletterern eine Bühne gibt, die in den deutschen Medien nicht so stark vertreten, also auch nicht so bekannt sind, aber zu den Besten ihrer Zunft gehören, finde ich einfach toll. Die Wanderung mit 80 Leuten war ein Vergnügen, obwohl ich am frühen Morgen – als ich die vielen Leute sah – sehr irritiert war und fragte mich, wie das nun gehen soll. Aber der Tag war klasse. Wir sind bei traumhaftem Wetter auf die Kassianspitze gewandert und hatten Spaß. Wir haben nach Brixen unheimlich viel positives Feedback per Email erhalten. Ich bin gerne in Kontakt mit anderen Leuten. Man soll ruhig spüren und erleben, dass wir ganz normale Menschen sind. Auf einer gemeinsamen Wanderung gelingt dies besonders gut.

Eva Maria Bachinger (39), Journalistin, Buchautorion

Mir gefällt beim IMS, dass nicht nur Profis anwesend sind, sondern alle am Bergsport Interessierten: Hobby-Bergsteiger, Experten und Journalisten. Das führt zu einem interessanten Austausch. Für mich als Journalistin sind die vielen Impulse zum Thema eine wahre Schatztruhe. Ich konnte stets gute Kontakte knüpfen. Deshalb war ich schon viermal in Brixen. Und nächstes Jahr komme ich sicher wieder!

Tamara Lunger (26), Alpinistin

Ich habe bisher noch keine Auflage des IMS verpasst. Es ist toll so viele bergbegeisterte Menschen zu treffen und andere Sichtweisen zu hören. Dieses Jahr durfte ich selbst einen kleinen Vortrag beim IMS halten. Es war spannend nicht nur passiv, sondern auch aktiv beim IMS mitzuwirken. Dass Edurne Pasaban bei mir im Publikum saß, war mir eine große Ehre. Bei den Wanderungen war ich dieses Jahr nicht dabei, da ich tagsüber meinen Eltern auf unserer Schutzhütte Latzfonser Kreuz aushelfen musste. Ich konnte mit Gerlinde Kaltenbrunner und ihrem Ehemann Ralf zwar nicht wandern, die beiden aber auf unserer Hütte begrüßen.

Alex Ploner (43), Veranstalter

2012 hat mir die Begegnung mit den Brüdern Favresse besonders gut gefallen. Die Art und Weise wie sie die Zuschauer in ihren Bann gezogen haben war beeindruckend. Als ehemaliger Musiker fand ich ihre musikalische Einlage auf der Bühne natürlich klasse. Dies hat gezeigt, dass Musik auch für so extrem lebende Menschen ein willkommener Ausgleich ist und Menschen zusammenführt. Beeindruckt hat mich auch, wie bergaffin die Skilegende Marc Girardelli ist. Er kannte jede Geschichte von Reinhold Messner und hat bis 3 Uhr morgens beim Abklettern mehrmals bestätigt, dass er einer seiner größten Fans ist. Die beiden zusammen beim IMS zu sehen, war eine große Freude und Ehre für uns als Organisatoren.

Hanspeter Eisendle (56), Bergsteiger und Bergführer

Am besten gefällt mir am IMS die weltweite Einzigartigkeit, dass das Publikum am Tag nach dem Vortrag gemeinsam mit den „Stars“ im Südtiroler Herbst zum Bergwandern geht. Bei den Vorträgen waren für mich die kreativen Favresse-Brüder das absolute Highlight, die neben ihren Geschichten, die so wohltuend weg vom alpinistischen Mainstream sind, auch noch auf der Bühne musizierten. So wie sie das auch auf ihren Touren in den Biwaks machen, um Langeweile oder Depression zu verdrängen. Auch alle anderen Vortragenden waren heuer echte Weltklasse, auch wenn zahlenmäßig mit dem „First Couple“, Kaltenbrunner-Dujmovits, keiner mithalten konnte. Das Haus war voll, während man bei der Favresse Combo zwischen den Stühlen noch a bissal mittanzen hätte können. Das ist ein Punkt, an dem sich die Veranstalter vielleicht entscheiden werden müssen: Entweder echte Avantgarde des Bergsteigens oder Publikumsmagneten zu bringen. Beides in einer Person erfüllen zur Zeit nur ganz wenige: Messner, beide Hubers und der Kultgott Chris Sharma.

Weitere Infos, Bildergalerie und Programm:

http://www.ims.bz/